Select Page

Freundlichkeit

5. April 2020

Wie herrlich sind doch diese Frühlingstage! Ich geniesse den Spaziergang der Lorze entlang und bewundere die Blütenpracht zwischen den langsam ergrünenden Zweigen. Ein älterer Mann kommt mir entgegen. Doch beim Näherkommen senkt er mürrisch seinen Blick und erwidert meinen freundlichen Gruss nicht. Ich drehe mich um und sehe, dass er ebenfalls zurückblickt, der Ansatz eines Lächelns im Gesicht.

Also doch: Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück. In meiner Kinderstube wurde mir beigebracht, dass man sich grüsst. Daran halte ich mich bis heute. Klar, so mancher Charakter provoziert geradezu, dass man seine guten Manieren vergisst. Tatsächlich sind die meisten Menschen aber nicht unfreundlich, weil sie von Natur aus schlecht gelaunt wären oder kein Benehmen haben. Vielmehr geht der Unfreundlichkeit oft ein akuter Grund voraus, eine allgemeine Unzufriedenheit und ein Problem, das einen beschäftigt. «Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können». Das Zitat von Mark Twain verstärkt die Definition von Freundlichkeit in ihrem Kern. Es ist nicht nur die Fähigkeit, seinen Mitmenschen anerkennend, respektvoll und wohlwollend zu begegnen und durch unser eigenes Verhalten eine wertschätzende Atmosphäre zu schaffen. Es ist eine Geisteshaltung wie man gegenüber anderen Menschen kommuniziert und wie man dies ausgedrückt in authentischen, zugeneigten Gesten und mit einer herzlichen Sprache.

Freundlichkeit als Instrument?

Wir sprechen hier nicht von einem «Dauergrinsen» und ständigem Ja-Sagen. Ohne Authentizität, keine Freundlichkeit. Eine freundliche Kommunikation alleine reicht nicht. Führungskräfte oder Verkaufspersonal, welche Freundlichkeit nur zum Zweck der Motivationssteigerung ihres Gegenübers praktizieren, bewirken meist das Gegenteil. Nicht echt gemeinte Freundlichkeit kann bei den Kommunikationspartnern unbewusst oder bewusst Argwohn erzeugen. Unternehmen, welche es schaffen, die Prinzipien der Freundlichkeit zu verankern und mit ihren Mitarbeitern umzusetzen, haben einen klaren Vorsprung im Wettbewerb: Eine hohe Mitarbeitermotivation fördert Teamprozesse, welche wiederum die Kommunikationsfähigkeit steigern und dadurch meist automatisch auch die Kundenzufriedenheit. Die Kunden profitieren von der internen Atmosphäre und spüren, dass das Zuvorkommen der Mitarbeiter ernst gemeint ist. Die Kundenbindung steigt.

Der Freundliche bekommt mehr

Ob an der Eisbude oder beim Maronistand: Der Freundliche kriegt mehr. Das haben Feldstudien bewiesen. Kunden mit einem Lachen werden besser behandelt, weil man sie lieber bedient als mürrische. Aber auch jeder Einzelne profitiert. Freundlich sein mit andern erhöht das eigene Wohlbefinden und die eigene Zufriedenheit. Allerdings funktioniert Freundlichkeit ohne eine offene Haltung und eine grundsätzliche Zuneigung anderen Menschen gegenüber nicht. Durch Dauerstress und Druck ist Freundlichkeit in unserem Alltag leider seltener geworden. Sie wird manchmal sogar mit Flirten verwechselt. Sie hat aber damit nichts zu tun und auch nicht mit sich Einschleimen zu tun. Es ist eine innere Grundhaltung und der Wille, seinen Mitmenschen freundlich zu begegnen. Damit bringt man anderen echtes Interesse entgegen, nimmt Rücksicht auf deren Situation und Emotionen und versucht, sich so zu benehmen, dass niemand Anstoss nehmen kann. Die Grundlage dazu ist auch hier eine positive Einstellung sowie ein respektvolles Verhalten gegenüber der Allgemeinheit, aber auch gegenüber sich selber. Deshalb: Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück.

kathinkarina

Related Posts

Über die Geduld…

Über die Geduld…

Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,die tief von innen kommtund durch nichts gedrängtoder beschleunigt werden kann,alles ist austragen – und danngebären…Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmendes...

Dank Unfall aufgewacht

Dank Unfall aufgewacht

Als es knallte, Blech krachte und die Airbaigs explodierten......realisierte ich, dass es ein Zeichen war. Warum war ich überhaupt noch am Leben? Wenn dies das Ende wäre, wäre es endlich vorbei, hier an diesem kalten Dezembermorgen am Katzensee. Ich konnte kaum atmen,...

Sicherheit

Grundbedürfnis Sicherheit «Sicherheit in diesen Zeiten?», dass ich nicht lache! Wir sind alle der Pandemie müde. Wir sind verunsichert. Was wird die Zukunft bringen? Und wir sind verärgert. Unsere Freiheit ist eingeschränkt. Wir fühlen uns bevormundet, von Freunden...

MUT

MUT

Helden springen von Dächern, kämpfen sich durch reissende Flüsse und Feuersbrunsten und wild schreiende Heeresführer preschen auf Pferden in den Kampf: Wir kennen sie aus Filmen: Die Mutigen. Aber es gibt sie auch im Alltag. Die Jungunternehmerin, die mutig ihr...

Comments

0 Comments

Submit a Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.